Wohn-Pflege-Gemeinschaften in Selbstverantwortung

Wohn-Pflege-Gemeinschaften in Hamburg unterscheiden sich voneinander nach dem Grad der tatsächlichen Einflussnahme ihrer Wohngemeinschaftsmitglieder. Solche, in denen die dort lebenden pflegebedürftigen Menschen oder deren Angehörigen oder gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuer maßgeblich die Gestaltung des Wohnalltags bestimmen können, gelten als Wohn-Pflege-Gemeinschaften in Selbstverantwortung.

Als Mieterinnen und Mieter in der gemeinsamen Wohnung

In selbstverantworteten WGs leben bis zu zehn Personen als Mieterinnen und Mieter in einer Wohn- oder Hausgemeinschaft zusammen. Sie haben Gestaltungsrechte wie in der Wohnung, in der sie vorher gewohnt haben. Die Mitglieder der Wohngemeinschaft haben eigene Mietverträge, üben das Hausrecht aus und haben die Schlüsselgewalt inne.
Sie bzw. ihre bevollmächtigten Angehörigen oder gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuer sind für die Grundfragen der Organisation des Alltags verantwortlich. Dazu zählt insbesondere, dass sie gemeinsam einen Pflegedienst auswählen, der die Betreuung und Pflege der Mietergemeinschaft übernimmt. Dieser schließt mit jedem Mieter / jeder Mieterin einen individuellen Pflegevertrag ab und ist „Gast“ in der privaten Häuslichkeit der WG-Mitglieder. Das bedeutet: In selbstverantworteten Wohn-Pflege-Gemeinschaften sind die Mieterinnen und Mieter Auftraggeber, der Pflegedienst ist Auftragnehmer.

In direkter Verantwortung

Um sich über das Zusammenleben und die Alltagsgestaltung in der WG zu verständigen, treffen sich deren Mitglieder oder vertretungsberechtigten Personen regelmäßig. Sie bilden ein Gremium und legen schriftlich fest, wie sie zusammenarbeiten und mit dem Vermieter und dem Dienstleister kooperieren wollen. Bei einer Wohngemeinschaft in Gründung müssen sich deren Mitglieder häufiger sehen, ist die Wohngemeinschaft dann eingespielt, reicht i.d.R. ein Treffen einmal im Monat oder weniger. 
Für Angehörige wurde von der Alzheimer Gesellschaft Hamburg e.V. im Auftrag der Hamburger Sozialbehörde ein Leitfaden entwickelt, den wir Interessierten sehr empfehlen können. Diesen können Sie im Auftritt der Hamburger Koordinationsstelle unter dem Button Service aufrufen.

Bei Neugründung – frühzeitig Kontakt mit den Aufsichtsbehörden

Die Freie und Hansestadt Hamburg legt großen Wert darauf, Wohn-, Betreuungs- und Pflegequalitäten zu sichern. Deswegen hat sie zum 1. Januar 2010 das Hamburger Wohn- und Betreuungsqualitätsgesetz erlassen. Dort sind auch Wohn-Pflege-Gemeinschaften unter dem Begriff „Wohngemeinschaften“ aufgeführt. Davor waren diese gesetzlich nicht geregelt.
Wer als Initiatoren eine neue Wohn-Pflege-Gemeinschaft auf den Weg bringt, muss diese spätestens sechs Monate vor Bezug bei der Aufsicht des Bezirks anmelden, in dem die WG liegt. Von dort werden die Akteure in der WG genauer über die gesetzlichen Anforderungen informiert und erhalten Hinweise, wie diese angemessen erfüllt werden können.
Stellt die Aufsichtsbehörde fest, dass diesen Hinweisen bei der Umsetzung der Wohn-Pflege-Gemeinschaft nachgegangen und die Vorgaben erfüllt worden sind, werden selbstverantwortete WGs aus der behördlichen Begleitung und Beaufsichtigung entlassen. Besonders wichtiges Kriterium dafür ist, dass die WG-Mitglieder oder ihre Angehörigen oder gesetzlichen Vertreter glaubhaft darstellen können, dass und wie sie die Interessen der Mieterinnen und Mieter tatsächlich umsetzen.
Nur in dem Fall, dass ein berechtigter Anlass gemeldet wird, sich wieder um die Wohn-Pflege-Gemeinschaft zu kümmern, wird die Aufsicht in selbstverantworteten WGs wieder tätig. Die gesetzlichen Regelungen dazu finden Sie unter dem Button Service im Internetauftritt der Hamburger Koordinationsstelle.